Schon immer, wenn wir neue Kinder in das Malaika Smile Programm aufgenommen haben, fertigen diese – die Jüngeren mit Hilfe der Älteren – sogenannte Steckbriefe an. Name, Geburtsdatum, Stamm, Eltern, Anzahl der Geschwister, Name des Paten (falls schon bekannt), Name der Schule, Lieblingsfächer, -tiere, -speisen und -farben sowie Berufswunsch. Und am Ende ist Platz für ein selbstgemaltes Bild.

Da die Steckbriefe der neuen Kinder (5-7 Jahre alt), die im Einzugsgebiet der neuen Mareike Smile Primary School liegen, gebündelt im MALAIKA Smile Büro eintrafen – Volontärin Anne hatte sie in ihrem Rückreisegepäck -, erhoben wir eine kleine nicht uninteressante Statistik.

Geschwister haben interessanterweise nicht den denselben Nachnamen. Ambasiize Eunice ist die Schwester von Agarukama Erisa, der Vater heißt Bicamu Eliphaz. Für uns hier im deutschen MALAIKA Smile Büro eine schwierige Aufgabe, die Kids „kennenzulernen“. Oft werden die Kids auch mit dem „vermeintlichen“ (deutsche Interpretation)  Nachnamen gelistet oder angesprochen.

Auf Anfrage hat Alex Ssekabira folgendes dazu erklärt: „Uganda ist die Heimat vieler verschiedener ethnischer Gemeinschaften, jede mit ihrer eigenen Kultur, Traditionen und Namenspraxis. Ich komme aus der Baganda-Kultur, in der der „Nachname“ einer Person traditionell nicht auf die gleiche Weise wie ein deutscher Familienname funktioniert…. Das liegt daran, dass diese Namen keine vererbten Nachnamen wie „Irtenkauf“ sind. Vielmehr sind es individuelle Namen, die Umstände der Geburt, Zugehörigkeit zu einem Clan, Vorfahren, Zwillingsstatus, Geburtsreihenfolge, Familiengeschichte oder geehrte Verwandte widerspiegeln können…. Die wichtigste familiäre Identität ist der Clan, der vom Vater vererbt wird.“

Tradition spielt in Uganda auch im 21. Jahrhundert eine große Rolle. Das ist natürlich einerseits eine wertvolle Angelegenheit, aber es macht das Leben auch komplizierter. Alex: „In unserer Kultur heiraten wir Familien und nicht nur Einzelpersonen. Deshalb sind Gespräche über familiären Hintergrund und Clan-Zugehörigkeit schon in den frühen Phasen einer Beziehung üblich. Viele Leute fragen von Natur aus ziemlich früh nach den Clans des anderen….Traditionell waren die Gemeinschaften jedoch eng verbunden, und die Menschen kannten die Familien, Clans und Abstammung der anderen sehr gut. Heutzutage ist das nicht mehr der Fall, da kulturelle Bildung und Identität wegen der Moderne weniger betont werden und Kultur oft als unzivilisiert betrachtet wird.“ Das erscheint mit vererbten Nachnamen wie wir sie haben doch etwas übersichtlicher und dadurch unkomplizierter.

Neben den bürokratischen Daten wird auch nach Persönlichem gefragt:

Lieblingsessen sind Reis (8 Nennungen) und Hühnchen (6). Das Standardessen in Uganda ist Posho (Maisbrei) mit weißen Bohnen. Auch Matoke ist ein typisches Essen und wird aus Kochbananen gefertigt, von der Konsistenz und dem Geschmack, unserem Kartoffelpüree ähnlich.

Die Schüler*innen in der Mareike Smile Primary School haben  das erste Mal in ihrem Leben Salat gegessen, selbst angebaut auf unseren Feldern. Einige haben sich gar nicht getraut, die Meisten nur mit großem Mut und Überwindung, geschmeckt hat es aber! In Uganda gibt es meistens nur gekochte Speisen, was sicher auch gesundheitliche Gründe sind: evtl. krankmachende Keime werden durch den Kochvorgang abgetötet. Das Essen an unserer Schule soll aber ausgewogener sein, als die Standardküche in Uganda. Durch Eigenanbau ist das erschwinglich: Tomaten, Karotten, Avocado finden Verwendung in den Mahlzeiten der Kids. Durch die Hühnerhaltung gibt es auch Eier als Nahrungsmittel.

Frisch gepresste Wassermelone-, Papaya- oder Mangosäfte gibt es nur für Touristen und die deutschen Gäste im Home. Natürlich wurden die mit den Kids dann geteilt. Frisches Obst ist im Vgl. zu anderen Lebensmitteln teuer, außer man baut es selber an.

Kühe (5), Hunde (2), Ziegen (2), Elefanten (2) sind die meisten Lieblingstiere. Neben Katze, Schaf, Kaninchen, Pferd, Huhn, Ente wurden auch Büffel, Löwe und Zebra nur einmal genannt. Die Kids im MALAIKA Smile Home in Kampala hatten einmal eine Ausflug zum Zoo in Entebbe gemacht, um die einheimischen Tiere, wegen derer die Europäer in Afrika auf Safari gehen, kennenzulernen. Einige der älteren MALAIKA Smile Kids in Kampala waren mit ihren Pat*innen auf Safari und sahen zum ersten Mal in ihrem Leben (18 Jahre aufwärts) Elefanten, Zebras, Büffel, Leoparden, Schimpansen, Nilpferde etc. und natürlich auch die vielfältige schöne Landschaft Ugandas. Und waren natürlich verzaubert und begeistert.

Die Lieblingsfarben sind Grün und Lila (je 4), gefolgt von Blau, Rot, Gelb (je 3). Die Schulfarben sind rot und gelb. Die Kids fühlen sich alle wohl in ihren schicken Schuluniformen; die privaten Hosen, Shirts etc. sind sicher nicht nach Lieblings-Farben ausgesucht, sondern danach was zur Verfügung steht und passt.

Als Berufsvorstellung für die Zukunft wurden Pilot/Fahrer (4), Soldat (2), Polizistin, Lehrer, Krankenschwester, Künstler genannt. Sowohl der „Soldat“ als auch der „Künstler“ sind ungewöhnlich bzw. überraschend, für uns. Die Sicherheit in Uganda ist nicht so stabil wie bei uns, ist also immer auch ein Thema. Piloten braucht man in Uganda nicht so viele, aber Fahrer für Schulbusse, Transport von Waren und als Taxifahrer.

Die Anzahl der Geschwister spiegelt das sozioökonomische Problem Ugandas: Die Überbevölkerung! Unsere Kids haben im Schnitt 5,1 Geschwister! Zwei Kids haben 9 Geschwister!! Auf dem Land sind das meistens Kinder der selben Väter und Mütter, aber insgesamt gibt es oft eine Mutter und mehrere Väter. Diese nehmen das nicht so genau mit der Verantwortung für den Nachwuchs und verlassen oft die Familie. Die Folge sind viele alleinerziehende Mütter, wie z.B. die Mutter der Zwillinge, über die wir im Bericht letzte Woche geschrieben hatten.

Diese Steckbriefe sind zwar statistisch auswertbar, aber in erster Linie sind diese Angaben einfach interessante Informationen für uns. Zusammen mit einem aktuellen Foto senden wir diese an die neuen Pat*innen. Und natürlich ist es uns wichtig für die Kinder selbst: über sich nachdenken, diese Informationen schriftlich festhalten, spüren, dass es jemanden interessiert, wer sie sind… das alles ist neu und ungewohnt für die Kinder, aber eben auch wichtige Punkte, um zu einem selbstbewussten Menschenkind heranzuwachsen.

Spendenkonten: Volksbank Bühl DE87 6629 1400 0005 0005 72 oder Postbank DE98 6601 0075 0507 1527 51.

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